Golfen at the Shannon


 

Der Glasson Golf & Country Club hat einen eigenen kleinen Hafen an der 15ten Bahn. Hier haben wir angelegt, hier haben wir gespielt und hier sind wir über nacht geblieben.

„Unser Freund Peter mit seinen roten Haaren wird sich in Irland wie ein Einheimischer fühlen“. vermuteten Eberhard, Jupp und ich, als wir uns entschlossen hatten, zum Hausboot-Golfen auf die Grüne Insel zu fliegen. Zwei Stunden dauert der Flug mit Aer Lingus von Deutschland nach Dublin. Der LeBoat Shuttle bringt uns zum Shannon nach Portumna, um unser Boot zu übernehmen. Der Chef der Basis zeigt uns, wie man das Boot steuert, wie man es anlegt, wie man es auf der Stelle wendet, und wie man sich an den roten und schwarzen Bojen auf dem Shannon orientieren kann. Unser Hausboot ist 15 Meter lang und fast 4 Meter breit. Beeindruckend. Jeder von uns hat eine eigene Kabine mit Dusche und WC. Ein Superschiff. Die Küche ist perfekt ausgestattet, nur eine Spülmaschine fehlt, aber Spülen und Abtrocknen teilen wir unter uns auf. Jeder ist mal dran.

Die Fahrt auf dem Shannon ist nicht ganz einfach. Der größte Fluss Irlands  hat fast zwei Meter Hochwasser. Wir sehen zwar rote und schwarze Bojen, aber wo ist das Flussbett? Wieso stehen 20 Kühe auf einer Insel, die nicht in unserer Karte verzeichnet ist, warum ragen Weidezäune halb aus dem Wasser, obwohl doch hier eigentlich der Shannon sein müsste? Wir sind als Crew gefordert. Plötzlich lautes Sirenengeheul von einem Schiff hinter uns. Wir stoppen die Maschinen. Glück gehabt. Wären wir auch nur wenige Meter weiter gefahren, hätten wir kein Wasser mehr unterm Kiel gehabt und wären auf einer Wiese gestrandet. Dank an unseren Retter. Auf seinem Boot im Hafen von Shannonbridge begießen wir die geglückte Rettung mit Irish Whiskey.

Wir ankern an der Brücke von Shannonbridge. Der Grund, hier über Nacht zu bleiben, ist der Killeens Pub. Eine urige Kneipe, die listigerweise mit einem Krämerladen verbunden ist. Männer und Frauen strömen mit eigenartigem Gepäck in den Pub. Akkordeons, Fiddles, Gitarren und Irish Tin Whistles kommen zum Vorschein und liegen griffbereit auf Stühlen und Tischen vor der kleinen Bühne. Die Gäste plaudern, der erste hebt die Stimme, seine Nachbarn greifen zu Instrumenten, es wird gesungen und geklimpert. Heute ist Ausgehtag. Die Herren übercool, die Damen aufs Feinste aufgebrezelt. Die Menschen singen mit, mischen sich ein. Irgendjemand ruft nach Patrick. Ein Mann steht von seinem Hocker am Tresen auf und singt das Lied von den „Immigrant Eyes“. Eine traurige Erinnerung an die bitteren Zeiten der Hungersnot in Irland. Den Sentimentalen unter den Zuschauern stehen Tränen in den Augen.

Jupp und ich können ein bisschen Akkordeon spielen. Zusammen mit dem Banjospieler geben wir eine Kostprobe deutscher Volkslieder. “Free Drinks“ ist unsere Gage.
Nach der „Last Order“ stehen alle Gäste auf, legen die Hand aufs Herz und singen mit Inbrunst die Irische Nationalhymne auf Gälisch. Ein authentischer Wohlklang, dessen Schönheit schon mal zu Tränen rührt. Danach treten alle brav aus der Tür des Pubs hinaus in die Nacht, verschwinden aber sogleich wieder im Krämerladen. Hier trinken sie ihr  Guinness zwischen Kitekat und Persil am Ladentresen. Um die Pub-Kultur in Irland muss sich niemand Sorgen machen.

Vor lauter Begeisterung für dieses Land vergessen wir fast den eigentlichen Grund unserer Reise, das Golfspiel. Morgen wollen wir den Athlone Golf Course in der Hodson Bay spielen. Anruf genügt, es gibt noch Abschlagszeiten. Fünf Stunden Fahrt sind leicht zu schaffen. Auf halber Strecke besichtigen wir Irlands National Monument, das Kloster Clonmacnoise. Hier lebten einst bis zu 6000 Mönche. Es liegt direkt am Shannon und wirkt auf uns wie ein Wald aus lauter keltischen Kreuzen, eines schöner als das andere zwar, doch leider ist nur der magische Zauber der Ruinen geblieben.

Der Athlone Golf Course von 1892 ist ein Altersjuwel, das Respekt verlangt. Hektisches Draufhauen ist nicht gemäß, hier hat die Zeit noch Zeit, und so will der Platz auch gespielt werden. Wer aggressiv zu Werke geht, trifft buchstäblich ins Leere. Sorgfältig muss man hier mit den Hölzern agieren. Man tut gut daran, sie öfter mal im Bag zu lassen. Was dem Kurs mit nur 5.695 Yards an Länge fehlt, wird durch ausgefallenes Design wettgemacht. Ein Eldorado für Spieler, die mit den hohen Eisen gut umgehen können, denn der Zugriff auf die kleinen pfeilschnellen Greens gelingt nur im hohen Flug. Das Terrain stellt Golfer auf eine harte Probe.

Nach dem Spiel bleiben wir zum Imbiss im Clubhaus und schippern dann mit unserem Hausboot quer über den unteren Teil des Lough Ree zum nächsten Golfplatz. Es ist diesig, die Einfahrt zum Hafen des Glasson Golf & Country Clubs ist eng und im Schilf versteckt, aber der Golfplatz ist zu sehen, und wo der Golfplatz ist, muss auch der Hafen sein. Wir nähern uns vorsichtig und finden die enge Einfahrt zum Anlegeplatz direkt am 15. Green. Geschafft, es wird bald dunkel.

Wir haben uns angemeldet. Der Owner Tom Reid holt uns vom Hafen ab. Im Lakeside Restaurant seines Clubhauses lassen wir uns irische Leckereien servieren. Austern mit Guinness und eine Fischsuppe mit Chilli. Von Mister Reid erfahren wir, dass die irische Tradition, Nahrungsmittel zu räuchern, durch das feuchte Wechselklima bedingt war. So haben die Iren seit jeher fast alle Lebensmittel gepökelt oder geräuchert und eine Vorliebe für diesen einzigartigen Geschmack entwickelt. Wir wollen diese lukullische Besonderheit kennen lernen und essen das in Wacholderbeeren gepökelte und im Torffeuer geräucherte Schweinefilet.

Am Morgen sehen wir dann vom Schiff aus einen der schönsten Plätze Irlands vor uns liegen. Der Glasson Golf & Country Club machte durch die European Challenge Tour auf sich aufmerksam. Die Runde entpuppt sich als eine ebenso hinreißende wie hindernisreiche Rallye rund um das gleichnamige 4-Sterne Hotel. Der Variationsreichtum der Löcher ist immens, sie kommen in allen Längen daher. Höhepunkt der Partie, die keine Schwachstelle kennt, ist die 566 Yard lange Vierzehn. Von hoch oben schwebt der Drive in eine ungewisse Zone. Der Weg bis zum Green ist lang und gefahrvoll. Kraftvolle Schläge mit linker Abweichung landen im Wasser. Diese Bahn spielt man gegen den Wind, gegen den See und abends gegen den Sonnenuntergang.

Zurück im Lough Ree steuern wir zum Norden, wo der See schmaler wird und wieder Shannon River heißt. Die Schleuse vor Tarmonberry ist geschlossen. Wir müssen warten.
Ich gehe zum Wärterhäuschen, um mich zu erkundigen, wann wir hoch geschleust werden. Das  Ehepaar sitzt zur Mittagspause in der Küche. Ein großer Topf steht auf dem Tisch. „Where do you come from? Are you German“? fragt mich die Frau. „Would you like to join us for dinner?“ Ich nicke, sage ihr aber, dass wir zu viert sind. “No problem, come along!” Wir setzen uns an den Tisch. Es gibt Irish Stew.
Wir haben schon viel von diesem Irischen Nationalgericht gehört, gegessen haben wir es noch nicht. Der Eintopf besteht aus Lammfleisch, Kartoffeln, Zwiebeln, Petersilie und verschiedenen Gewürzen. „My wife comes from Dublin ,“ erzählt der Schleusenwärter, „and this is a Dublin Stew. It’s flavour is fantastic because it is very hot”! Wir stimmen ihm zu, ganz schön scharf, aber es schmeckt sehr gut. Wir spendieren Guinness und freuen uns über die herzliche irische Gastfreundschaft, die man in unseren Breiten so kaum kennt. Bis Roosky ist es nicht mehr weit. Wir legen im Hafen an und bleiben über Nacht. Heute essen wir an Bord. Wozu haben wir eine Küche?

Einmal wollen wir noch Golf spielen und fahren deshalb recht früh zum Carrick on Shannon Golf Club. Herrliche Aussichten zwar, aber das war es dann auch. Langweilige Bahnen, der Platz hat uns nicht gefallen. Vielleicht sind wir aber auch von den zwei vorherigen Plätzen verwöhnt. Wir brechen nach den First Nine ab, steigen auf unser Hausboot und fahren durch eines der schönsten Seengebiete des Shannon durch Lough Key nach Boyle. Gut, dass wir das so gemacht haben. Wir hätten diese romantische Landschaft sonst nicht kennen gelernt.
Am nächsten Morgen geht alles sehr schnell. Der LeBoat Shuttle bringt uns zum Flughafen nach Dublin. Wir steigen in den Flieger, und nach zwei Stunden Flug sind wir wieder in Deutschland.

LeBoat   Hausbootferien, 61118 Bad Wilbel  Tel: 06101 55 791 66    www.leboat.de
LeBoat Hausboote gibt es in Frankreich, Deutschland, Italien, Belgien, Holland, Irland, England und Schottland.

Glasson Golf &Country Club  Glasson, Irland     Tel: +353 (0)90 6485120  www.glassongolf.ie   

Athlone Golf Club  Athlone, Irland    Tel: +353 ((0)90 6492073 www.athlonegolfclub.ie  



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